Demokratie anderswo
Ganz ohne Verfassung, 11.04.2018

Während die Deutschen auf ihr Grundgesetz pochen können, gibt es in Großbritannien keine schriftliche, in einem Dokument festgehaltene Verfassung. Das politische System basiert auf Gewohnheitsrechten, der Magna Charta von 1215, der Petition of Rights von 1628 sowie der Habeas Corpus-Akte von 1679.

Herzstück der konstitutionellen Erbmonarchie bildet das britische Parlament, das sich aus dem House of Commons (Unterhaus), dem House of Lords (Oberhaus) und der Königin zusammensetzt. Wobei das Unterhaus souverän agiert und abgestimmte Gesetze auch vom Oberhaus nicht mehr anfechtbar sind.

Traditionen werden im Westminster Palace, wo das Parlament tagt, groß geschrieben: Deshalb sitzen sich im Unterhaus die Members of Parliament von Regierung und Opposition immer noch auf zwei Tribünen im Abstand von zwei Degenlängen gegenüber. Und anstelle eines Rednerpults muss eine Holzkiste herhalten. Auch der Umgangston ist gewöhnungsbedürftig: Persönliche Angriffe und Zwischenrufe stehen an der Tagesordnung. Vor allem mittwochs, wenn die Premierministerin Rede und Antwort steht, hat der „Mr. Speaker“ genannte Parlamentspräsident viel zu tun.

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