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Von Geheimcodes und Beichtstühlen – Geheimnis-Ausstellung in Frankfurt eröffnet

Taugen Sie zum Geheimnisträger?

Ein Museumsbesuch verrät es: Seit 11. Dezember ist die Geheimnis-Ausstellung der Nemetschek Stiftung im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen. Zur Eröffnung kamen viele Gäste, die verborgene Schubladen öffneten, sich über Geheimcodes informierten – und sich selbst die ein oder andere brisante Frage stellten.  

Die meiste Arbeit hatte an diesem Abend der Schredder. Kaum war die Ausstellung „Geheimnis – Ein gesellschaftliches Phänomen“ eröffnet, saß die erste Besucherin an dem kleinen, mit Glasscheiben eingefassten und dadurch etwas geschütztem Schreibtisch und schredderte ihren Fragebogen per Kurbelantrieb. „Ist eine Tätigkeit mit Geheimnisträger-Funktion das Richtige für Sie? – Selbsteinschätzung“, lautete die Überschrift. Und dann die Fragen, einige durchaus heikel: „Haben Sie schon einmal das größte Geheimnis eines Freundes/einer Freundin weitererzählt? Denken Sie, dass Sie am Tag mehr als zehnmal Lügen? Reden Sie viel über Menschen, die gerade nicht anwesend sind?“ Und so weiter, eine ganze, eng bedruckte Seite lang. „Ich habe ein paar Fragen ausgelassen“, gestand eine junge Frau. „Aber es hat Spaß gemacht“, sagte sie und schredderte weiter. Der nächste Besucher, der den Bogen ausfüllte, fand die Fragen so lehrreich, dass er den Zettel lieber mitnahm. „Darüber muss ich nochmal in Ruhe nachdenken“, sagte er grinsend.

 

Von Geheimcodes und Beichtstühlen – Geheimnis-Ausstellung in Frankfurt eröffnet

Viele Exponate der Ausstellung laden dazu ein, über das eigene Verhältnis
zum Geheimnis nachzudenken.

Balance zwischen Transparenz und Geheimnis

Bei diesen beiden Museumsgästen war damit wohl schon erreicht, was sich Dr. Ralf Nemetschek, Vorsitzender des Vorstands der Nemetschek Stiftung, wünschte: „Wir wollen Sie anregen, sich Gedanken zu machen, über die Balance zwischen Transparenz und Geheimnis“, sagte Nemetschek bei der Ausstellungseröffnung in Frankfurt. Die Geheimnis-Ausstellung gastierte bereits in Berlin und weiteren Städten. Nach der Eröffnung im Museum für Kommunikation Frankfurt wird sie dort noch bis Ende April 2020 zu sehen sein. „Das mag erstmal wie ein Widerspruch klingen, eine Ausstellung über Geheimnisse in einem Museum für Kommunikation“, so Museumsdirektor Dr. Helmut Gold. Sei es aber gar nicht, führte er aus. „Denken Sie nur an Verschlüsselungstechniken, das ist ein Thema mit dem wir uns natürlich auch schon beschäftigt haben.“ Auch der Wandel im Umgang mit Öffentlichkeit und Privatheit beschäftigt das Museum. Laut Gold gut zu beobachten am Telefongeheimnis: „Erinnern Sie sich noch an die Telefonzellen von früher? Es war selbstverständlich, Abstand zu wahren, damit man nicht versehentlich mithört. Wer heute mit dem Handy in der U-Bahn telefoniert, hat damit kein Problem mehr.“

 Von Wichtigtuern und Zettelwirtschaft

Geheimnisse gibt es im Privaten ebenso wie in der Gesellschaft – um beides geht es in der Schau, die einen großen Saal im ersten Stock des Frankfurter Museums füllt. Eine Leuchtschrift verkündet: „Das größte Geheimnis ist der Mensch sich selbst.“ Sprüche an Wandtafeln, auf Pappaufstellern in Menschengestalt oder an Regalen regen immer wieder zur Selbstreflexion an: „Wie halte ich es mit Geheimnissen?“ oder „Wer ist es wert, Dein Geheimnis zu kennen“ und „Muss ich tatsächlich mein Herz erleichtern, oder will ich mich nur interessant machen?“. Zwei ältere Damen lasen am Eröffnungsabend die Tafeln und erinnerten sich: „Weißt Du noch, wie wir früher in der Schule immer Zettelchen unter den Bänken durchgereicht haben?“ Währenddessen lupften Nico und Karsten, die extra aus Rüsselsheim gekommen waren, Puzzleteile. Die beiden Männer standen vor einem Kubus, der Fragen zum Umgang mit Daten enthält, sei es von Unternehmen oder im Internet. „Ich verstehe nicht, warum die Leute so viele Informationen ins Netz stellen“, sagte Nico. „Ich würde das nie machen.“ Die Ausstellung findet der 31-Jährige spannend, weil sie zeigt „wie viele verschiedene Arten von Geheimnissen es gibt“.

In der „Black Box“ können Besucherinnen und Besucher kurz verschnaufen: In dieser Box steht ein bequemer Sessel. Schaumstoff an den Wänden und ein dichter Vorhang als Tür schirmen für einen Moment von dem Trubel im Raum ab. So ist man fast alleine mit sich – und den eigenen Geheimnissen.

Die Ausstellung „Geheimnis – Ein gesellschaftliches Phänomen“ ist noch bis 26. April 2020 im Museum für Kommunikation Frankfurt zur sehen. Öffnungszeiten und weitere Infos finden Sie auf der Website des Museums.  Die Ausstellung ist eine Eigenproduktion der Nemetschek Stiftung. Lesen Sie hier das Interview mit Kuratorin Silke Zimmermann.

 

Bilder: © Kay Herschelmann, © KOMPAKTMEDIEN

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