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Unser Leben in der Digitalität – Ausblick auf die Ausstellung #neuland

Unser Leben in der Digitalität

Buchdruck, Fernsehen, Internet – immer wieder in der Geschichte haben technische Innovationen das Leben der Menschen tiefgreifend verändert. Wie die Digitalisierung sich auf unser Leben auswirkt, ist ein Thema, mit dem sich die Nemetschek Stiftung 2020 auseinandersetzen wird. Silke Zimmermann spricht im Interview über die Ausstellung „#neuland: Ich, wir und die Digitalisierung“, die ab März in Frankfurt zu sehen sein wird.

 

Frau Zimmermann, als die Bundeskanzlerin 2013 das Internet als „Neuland“ für viele Menschen bezeichnet hat, erntete sie Spott. Sie haben jetzt eine Ausstellung zur Digitalisierung so benannt. Warum?

Silke Zimmermann: Den Spott erntete die Kanzlerin ja vor allem aus dem Milieu der sehr internetaffinen Menschen. Trotzdem ist die Digitalisierung und deren Wirkung auf unser gesellschaftliches Leben in vielen Bereichen eben noch Neuland. Wir können noch nicht alle Folgen, im Positiven wie im Negativen, abschätzen, die diese fundamentale Veränderung unserer Lebenswirklichkeit mit sich bringt. Und dieser Umbruch war weder 2013 abgeschlossen, noch ist er es heute.

Aber der Ausstellungstitel bezieht sich auch gar nicht nur auf das Neuland-Zitat der Kanzlerin, sondern auch darauf, dass technische Innovationen immer auch gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen bzw. ein gesellschaftliches Klima benötigen, das einem anstehenden Wandel offen gegenübersteht. Die Geschichte ist hier voll von Beispielen, gerade im Medienbereich. Sei es die Einführung des Buchdrucks oder das Fernsehen: Diese technischen Innovationen haben das Leben der Menschen tiefgreifend verändert und waren damals ebenfalls „Neuland“.

 

Die Ausstellung #neuland geht auf Entdeckungstour und zeigt Orte des Digitalen in unserem Alltag. Warum sollte ich mir Alltägliches in einer Ausstellung vergegenwärtigen?

Silke Zimmermann: Dass uns das Digitale täglich im Alltag umgibt, bedeutet nicht automatisch, dass uns die Konsequenzen dieser Entwicklung für unser Zusammenleben immer bewusst sind. Das ist aber wichtig, da wir in einer Demokratie als Bürgerinnen und Bürger mit darüber entscheiden, wie unsere Zukunft in einer digitalen Gesellschaft aussehen soll. Gerade dadurch, dass wir Orte des Digitalen im Alltag zeigen, können wir darum größere Fragen aufwerfen und ganz anders ins Gespräch kommen, als wenn wir Situationen beschreiben würden, die nur einen überschaubaren Personenkreis betreffen.

 

Die Ausstellung „#neuland: Ich, wir und die Digitalisierung“

Die Ausstellung „#neuland: Ich, wir und die Digitalisierung“ wird von 26. März bis 30. August 2019 im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen sein. Die Schau ist eine Kooperation der Museumsstiftung Post und Telekommunikation mit der Nemetschek Stiftung. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Museums.

 

Welche Fragen wollen Sie aufwerfen?

Silke Zimmermann: Eine Frage, die uns in der Ausstellung beispielsweise beschäftigt, ist die, ob wir auch zukünftig noch ein Recht auf das „falsche“ Leben haben werden, also etwa rauchen oder uns ungesund ernähren. Das erscheint jetzt vielleicht etwas philosophisch, aber es ist eine relevante Frage für eine Gesellschaft, deren Gesundheits- und Sozialsystem auf einem Solidarprinzip basiert. Durch die Digitalisierung wird der Mensch immer stärker zum vermessbaren Objekt – und viele von uns betreiben die Selbstvermessung durch Apps wie Schrittzähler selbst mit großem Enthusiasmus. Wenn dann aber die Krankenversicherungen nur noch diejenigen aufnehmen, die bereit sind, sich selbst dauerhaft zu optimieren, wird unser gesamtes Solidarprinzip in Frage gestellt.

Darüber hinaus fragen wir in der Ausstellung, welche Auswirkungen die neuen Kommunikationsformen auf Individuum und Gesellschaft haben. Oder wie sich Beziehungen verändern, wenn wir uns nicht mehr in Cafés und Restaurants, sondern online kennenlernen. Aber auch, wie sich Bildung und Wissensvermittlung verändern müssen, um den Anforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden.

 

An wen richtet sich die Ausstellung?

Silke Zimmermann: Die Ausstellung richtet sich an alle, egal ob alt oder jung, „Digital Native“ oder „Digital Immigrant“. Auch wer keine Smartphones nutzt oder wer glaubt, schon alles Digitale bestens zu kennen, sollte trotzdem in die Ausstellung kommen, da es keine Technik-Schau ist, sondern eine Reflexion über unser Leben in der Digitalität.

 

Schautafeln oder Interaktion? Was erwartet Besucherinnen und Besucher?

Silke Zimmermann: Sowohl als auch. Wir erklären natürlich Zusammenhänge und ordnen ein, aber für uns als Stiftung ist die Interaktion und Partizipation immer ein Leitmotiv in all unseren Projekten. Insofern werden die Besucherinnen und Besucher auf jeden Fall eingeladen, selbst Hand anzulegen und aktiv Teil der Ausstellung zu werden.

Bilder: © iStock/RapidEye,
© Nemetschek Stiftung/Museum für Kommunikation Frankfurt

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