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Hackathon: 1.500 Ideen zum Umgang mit Corona

Unter #WirVsVirus wurden in 48 Stunden virtuell mehr als 1.500 Lösungsansätze für Herausforderungen im Umgang mit dem Corona-Virus zusammengetragen: kreative und kluge Ideen aus allen Teilen der Gesellschaft. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Die Corona-Krise ängstigt die Menschen überall auf der Welt. Sie schränkt das bisherige Leben ein, sie verändert unser Zusammenleben. Das hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Abend vor dem Osterfest in seiner Fernsehansprache thematisiert, mit der er den Menschen Mut zugesprochen hat. „Wir wollen keine ängstliche, keine misstrauische Gesellschaft werden. Sondern wir können eine Gesellschaft sein mit mehr Vertrauen, mit mehr Rücksicht und mehr Zuversicht.“ Die Solidarität, die Deutschland jeden Tag beweise, brauche es für die Zukunft umso mehr. Die Corona-Pandemie sei „eine Prüfung unserer Menschlichkeit“, die das Schlechteste und das Beste in den Menschen hervorrufe. „Zeigen wir doch das Beste in uns“, appellierte der Bundespräsident.

Kreativität und Kenntnisse Klick für Klick

Zum Besten, das die Corona-Krise hervorgerufen hat, zählt die Aktion „WirVsVirus“. Der „Hackathon“ – so nennen Technikbegeisterte gemeinsame Problemnächte, in denen sie vertrackte Probleme lösen (nämlich hacken) – am Wochenende 22.-24. März hat nach Angaben der Organisatorinnen und Organisatoren mehr als 28.000 Menschen deutschlandweit zusammengebracht. Sie haben 1.500 Lösungen für drängende Probleme angedacht und angestoßen: digitale Marktplätze, Netzwerke, Plattformen und Apps, vom digitalen Wartezimmer bis zur Einkaufshilfe für ältere Menschen.

Das Vorbild für die Aktion, die per Klicks Kreativität und Kenntnisse aus vielen Hirnen einsammelt, stammt aus Estland. Das Land gilt als Vorreiter internationaler Digitalisierung, die junge Gesellschaft setzt auf virtuellen Gemeinschaftssinn. Davon hat sich auch Christina Lang inspirieren lassen. Sie arbeitet für das gemeinnützige Start-up „Tech4Germany“, das die Bundesregierung dabei unterstützt, ihren Bürgerservice zu digitalisieren. Sie trug die Idee in ihr berufliches und privates Netzwerk, erhielt Unterstützung aus sieben Digitalinitiativen und so suchten Programmiererinnen, Designer und Tüftlerinnen nach technischen Lösungen für die aktuelle Krise. Engagierte Privatpersonen sowie Teams aus allen Gegenden Deutschlands arbeiten hierarchiefrei zusammen und nutzen für ihre Arbeitsgruppen den webbasierten Instant-Messenger-Dienst „Slack“. Es ist geplant, diesen Dreh- und Angelpunkt der Community mindestens bis Juni als virtuelles Zuhause beizubehalten.

Zwölf Handlungsfelder sind identifiziert

Die Bundesregierung hat das Potenzial der gesammelten Ideen erkannt und unterstützt die Initiative. Eine Jury (aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Technologiefirmen und Medien) wählte einige Projekte oder Applikationen aus, die demnächst finanziell gefördert werden. „Wir als Bundesregierung wollen dafür sorgen, dass diese tolle Initiative heute und hier nicht vorbei ist“, versprach Bundeskanzleramtsminister Helge Braun (CDU) in einer Videobotschaft. Organisatoren und Kanzleramt arbeiten nun an einem Unterstützungsprogramm, um so viele Projekte wie möglich in die Praxis zu bekommen. Laut einer Sprecherin der Hackathon-Initiative wird derzeit darüber verhandelt, wie hoch die finanziellen Zuschüsse der Bundesregierung ausfallen, zu konkreten Summen äußerte sie sich nicht. Geld soll auch mobilisiert werden durch eine Kombination von Crowdfunding und Matching-Fonds.

 

Aktuell testen etwa 150 ausgewählte Teams ihre Ideen auf schnellstmögliche Praxistauglichkeit im Kampf gegen die Auswirkungen von Covid-19.

 

Inzwischen wurden zwölf Handlungsfelder identifiziert, die untergliedert sind in die drei Unterpunkte „Gesundheitsversorgung“, „Alltag in der Krise“ und „Krisenmanagement“. Aktuell testen etwa 150 ausgewählte Teams ihre Ideen auf schnellstmögliche Praxistauglichkeit im Kampf gegen die Auswirkungen von Covid-19. Antworten werden gesucht auf Fragen etwa wie diese: Wie können Testverfahren und die Übermittlung von Infektionsfällen optimiert werden? Wie kann die psychische Gesundheit der Menschen in der Krise sichergestellt werden? Wie kann auf allen Ebenen der Gesellschaft ausreichend über Covid-19 informiert werden und wie lassen sich Fake News unterbinden? Bei allen Ansätzen, Antworten auf diese Fragen zu finden, überzeugt die lebenspraktische Herangehensweise. Etwa wenn ein Team konkrete Handlungsvorschläge dazu macht, wie das Desinfizieren von Oberflächen noch besser gelingen kann. Kleine wie große UV-C-Desinfiziergeräte sind vielversprechend für Karten-Eingabegeräte, Tastaturen, Touchscreens und weitere Alltagsgegenstände.

„Immunhelden“ arbeiten bislang ehrenamtlich

Bereits online sind die „Immunhelden“, die ganz im Sinne des Gemeinwohls agieren. Dort melden sich Menschen an, die bereits an Corona erkrankt sind und sich nun für die Gesellschaft engagieren wollen. Denn wer die Covid-19-Erkrankung bereits hinter sich hat, kann gefahrlos viele wichtige Aufgaben mit direktem Kontakt zu infizierten Personen übernehmen. Bislang arbeitet das Team um Stefan Gränitz aus Berlin ehrenamtlich, auch die Kosten für die Domain und das Hosting der Website tragen sie selbst. „Das #WirVsVirus-Programm hat uns die Vernetzung mit anderen Teams ermöglicht“, erläutert Stefan Gränitz, der als Teamleiter die Fäden in der Hand hält. Seit dem 20. April erhält er ein kostenloses Coaching für Teambildung und Projektplanung. „Außerdem informiert uns das WirVsVirus-Team über die Möglichkeiten zur Beantragung finanzieller Förderung. Ein Antrag bei https://gemeinsamdigital.eu ist bereits erfolgt und ein Antrag zur Förderung durch das Bundesforschungsministerium ist gerade in Arbeit“, so Gränitz. Im nächsten Schritt planen die „Immunhelden“, ihre digitale Übersichtskarte für andere Dienste zu öffnen.

 

Interessierte können sich an der Auswertung und Nutzbarmachung der Ideen des Hackathons beteiligen: Wer mag, registriert sich auf https://wirvsvirushackathon.org und wird Teil der bereits vorhandenen Teams – neue Ideenentwicklerinnen und Kreative sind immer noch willkommen.

 

©Adobe Stock/nanuvision

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