Demokratie geht uns alle an.

Gelebte Demokratie und quietschlebendig: die Schülerzeitung

Print ist tot? Noch lange nicht, das zeigt das ungebrochene und höchst kreative Engagement von Schülerinnen und Schülern am Zeitungsmachen. Das hat Silke Zimmermann als Jurorin des 14. Schülerzeitungswettbewerbes „Blattmacher“ festgestellt.

 

Was haben eine Schulband, die englische Theatergruppe der Schule und die Schülerzeitung gemeinsam? Während meiner Schulzeit war ein verbindendes Moment, dass das Engagement in einer dieser freiwilligen Schulinitiativen den Coolness-Faktor der Beteiligten sofort nach oben katapultierte. Ob das auch jetzt noch gilt, kann ich natürlich nicht mehr beurteilen. Aber auch heute ist trotz aller digitalen Medienangebote die Schülerzeitung noch nicht tot, sondern quietschlebendig. Die Landschaft der Zeitungen ist vielfältig und in allen Schulgattungen entstehen dank des Einsatzes von begeisterten Schülerinnen und Schülern und motivierten Lehrkräften viele unterschiedliche Printprodukte oder Online-Ausgaben mit jeweils ganz individuellem Charakter.

Reif für den Zeitschriften-Kiosk

Als Mitglied der Jury des gemeinsamen Schülerzeitungs-Wettbewerbs von Süddeutscher Zeitung, Bayerischem Kultusministerium und Nemetschek Stiftung habe ich die Bandbreite und Vielfalt gerade erst wieder bewundern dürfen. Schon an den Grundschulen werden Hefte produziert, die sich in Layout und Inhalt nicht hinter den Werken der Sekundarstufen verstecken müssen. Und an den weiterführenden Schulen werden zum Teil Magazine kreiert, die man locker auch an einem Zeitschriftenkiosk verkaufen könnte, so professionell gestaltet sich die Wahl der Themen und das Layout.

Manche Redaktionen stellen die Ausgaben ihrer Schülerzeitung jeweils unter ein bestimmtes Leitthema, andere fokussieren sich stärker auf das Geschehen an der Schule. Viele Hefte bieten darüber hinaus Service- und Mitmach-Inhalte wie selbst kreierte Rätsel, Rezepte oder Buchempfehlungen. Auch Umfragen unter den Schülerinnen und Schülern zu schulrelevanten Themen finden sich in vielen Ausgaben. Beeindruckend, wie gekonnt bekannte journalistische Formate hier neu interpretiert werden.

Kritisch und reflektiert

Als Stiftung kooperieren wir gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung und dem Bayerischen Kultusministerium seit 2018 im Rahmen des bayernweiten Schülerzeitungs-Wettbewerbs „Blattmacher“. Schülerzeitungen waren schon immer ein Ausdruck gelebter Demokratie, weil sie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, ihre Anliegen in die Schülerschaft zu multiplizieren und sich kritisch und reflektiert mit Themen auseinanderzusetzen, die gerade in der eigenen Lebenswirklichkeit Relevanz haben. Ein Engagement in der Redaktion einer Schülerzeitung ermöglicht darüber hinaus Selbstwirksamkeitserfahrungen und stärkt die individuelle Medienkompetenz. So werden aus den Redakteur*innen von heute Meinungsmacher*innen und kompetente Mediennutzer*innen von morgen – in Zeiten von Fake News und sinkender Diskursfähigkeit ist das ein wichtiger Baustein für eine aktive und selbstbewusste Zivilgesellschaft.

Workshops für die Sieger-Redaktionen

Um diese Erfahrungsebenen über das Engagement in der Redaktion hinaus zu stärken, haben wir als Stiftung gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung ein Workshop-Angebot entwickelt, mit dem wir an die Schulen der Gewinner-Redaktionen reisen. Interaktion, Partizipation und Diskussion stehen bei diesen Workshops im Vordergrund. Im vergangenen Wettbewerbszyklus haben 300 Schülerinnen und Schüler an Kursen wie „Journalismus und Ethik“, „Deine Stimme zählt“ oder „Fake News und Recherche“ teilgenommen. Neben den prämierten Redakteurinnen und Redakteuren selbst, durften auch weitere Schülerinnen und Schüler teilnehmen. So konnten die Methoden und Themen weiter in die Schule multipliziert werden – und auch die Aufmerksamkeit noch einmal stärker auf den Erfolg der jeweiligen Schülerzeitung gelenkt werden.

Feedback auf freiwillige Arbeit

In der Nemetschek-Stiftung sind wir überzeugt, dass positive Wertschätzung und Aufmerksamkeit die Nachwuchs-Journalistinnen und -Journalisten motivieren, ihr Engagement fortzusetzen. Denn nur wenn die beteiligten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte Feedback, Wahrnehmung und Resonanz auf ihre freiwillige Arbeit erfahren, werden sie sich zwischen Schulaufgaben, Hausaufgaben und sonstigen Aktivitäten auch für die nächste, übernächste und überübernächste Ausgabe Zeit und Energie nehmen.

 

Silke Zimmermann ist Kuratorin und Programmleiterin der Nemetschek-Stiftung.

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